Lübeck – Fast auf den Tag genau seit drei Jahren führt Sven Jonas das Team hinter dem Team der Schwartauer Zweitliga-Handballer an. Und der 28-jährige Kaufmann hat noch jede Menge vor mit der „Marke VfL“.
LN: Herr Jonas, was macht der SV Dissau?
Sven Jonas: Wir haben den Aufstieg verpasst, aber wollen wir wirklich über Fußball reden?
LN: Nein, eher über den VfL und was Sie derzeit tun.
Jonas: Ich bereite bis zum 6. Juli die neue Saison vor. Wenn die Mannschaft loslegt, nehme ich mir für ein paar Tage frei.
LN: Was gibt es zu tun?
Jonas: Vom Catering, über Sponsorenpflege bis zur Hallenüberplanung vieles. Die wichtigste Baustelle ist aber der Kader. Wir reden mit Lars-Uwe Lang, wollen zudem noch einen Rechtsaußen, Rückraumlinken und Abwehrspieler verpflichten.
LN: Sind denn dafür überhaupt Gelder frei?
Jonas: Ja, durch die Absage von Tobias Schröder. Zudem haben wir einen Puffer.
LN: Und dann gab es ja noch 50 000 Euro durch die tollen Pokal-Erfolge . . .
Jonas: Es waren knapp 40 000. Es hat uns aber mehr Spielraum gegeben.
LN: Auch um Kredite oder Altschulden zu tilgen?
Jonas: Wir haben keine Kredite laufen, auch keine Altschulden. Wir sind jetzt ein gesunder Verein, haben Etat und Einnahmen seit dem Aufstieg 2008 sogar verdreifacht.
LN: Und liegen derzeit bei . . .
Jonas: . . . inklusive Kompensationsgeschäften rund 500 000 Euro. Wir sind mit aktuell 150 Sponsoren breit aufgestellt. Unser Ziel ist es, den Etat von Jahr zu Jahr um 50 000 Euro anzuheben.
LN: Im Falle der Qualifikation für die eingeleisige 2. Liga wären das 600 000 Euro. Reicht das? Nordhorn etwa plant siebenstellig.
Jonas: Es reicht. Nordhorn etwa hat sieben Festangestellte auf der Geschäftsstelle, Essen gar vier Geschäftsführer. Bei uns gibt es eine One- Man-Show – mit vielen Helfern an meiner Seite.
LN: Ist es das allein?
Jonas: Nein. Denn wir fahren auch weiter die Halbprofi- Schiene. Alle Spieler haben einen Job oder studieren.
LN: Beim VfL wird es demnach keine Vollprofis geben?
Jonas: So lange ich dabei bin, schließe ich das aus, auch in einer eingleisigen 2. Liga.
LN: Und was ist mit einem Erstliga-Aufstieg? Viele Fans reden darüber.
Jonas: Es wäre ein Betriebsunfall, gegen den wir uns nicht wehren würden. Aber: Wir bauen keine Luftschlösser, geben keinen Cent mehr aus als wir haben. Einen Aufstieg auf Pump, wie anderswo, würde es nicht geben. Unsere eigene Vergangenheit ist uns Warnung genug.
LN: Blick in die neue Saison. Was gibt es Neues?
Jonas: Einiges. Wir wollen im Merchandising zulegen, das Sortiment erweitern, im Citti-Markt einen Info-Point einrichten, ein Fünf-Freunde-Ticket für Studenten auflegen, den VIP-Bereich unter anderem mit TV-Geräten aufpeppen. Und wir wollen Partner-TV an den Start bringen. Dabei sollen sich unsere Sponsoren mit Image-Clips auf unserer Homepage präsentieren. Es geht darum, mit kreativen Ideen, und da sind noch mehr in der Pipeline, die Marke VfL weiter zu etablieren.
LN: . . . und damit den aktuelle Zuschauerschnitt von 1855 wieder anzuheben?
Jonas: Wir wollen, ohne die Eintrittspreise (10/9 Euro Erwachsene; 7/4 Jugendliche, die Red.) anzuheben, wieder über die 2000er Marke. Das ist das Ziel. Doch das sportliche, die Quali für die eingleisige 2. Liga, steht über allem.
Gespräch: Jens Kürbis Lübecker Nachrichten