VFL verliert nach 19:13-Vorsprung mit 30:36 in Hannover
Hannover – Der Pokalrausch ist verflogen: Schwartaus Handballer geben im Zweitliga-Duell in Hannover eine 19:13-Führung aus der Hand, gehen mit 30:36 sang- und klanglos unter.
Michael Friedrichs rang um seine Fassung. Er war erschüttert, frustriert, sogar richtig wütend. Seit sieben Jahren wirbelt er im Umfeld der Schwartauer Handballer, doch so eine miese zweite Halbzeit, „nein, die habe ich noch nie gesehen. Das macht unsere C-Jugend besser“, wetterte der sportliche Leiter nach dem 30:36 im Zweitligaduell beim HSV Hannover. „Das war peinlich, desolat, einfach grausam.“ Friedrichs war kaum zu beruhigen. „Der Sack war zu, doch wir haben ihn, auch wenn die Schiris mitgeholfen haben, wieder aufgemacht.“
Was war passiert? Der VfL startete vor 200 Zuschauern beim abstiegsgefährdeten HSV wie er gegen den HSV, den Großen aus Hamburg, beim Pokalfest aufgehört hatte. Mit einem kaum zu bändigenden „Tor-ero“ Jan Schult, der bis zu Pause allein achtmal netzte. Mit einem guten Tobi Mahnke im Tor. Mit einer sattelfesten Abwehr. Der VfL-Motor drehte auf Hochtouren. Ein Dreierschlag von Zeschke, Schult und Tretow – 3:0 nach 2:45 Minuten. Nach dem zweiten Dreier (Schult, Tretow, Dombrowski) stand es bereits 15:9. Und da waren erst 23 Minuten gespielt. Als Tretow vom Siebenmeterpunkt nachlegte, waren es sogar sieben Tore Differenz (18:11/28.). Beim 19:13 ging es in die Pause. Alles war gut. „Das war richtig geil, überragend“, war Friedrichs angetan. Auch Coach Thomas Knorr: „Wir haben Hannover an die Wand gespielt.“
Doch seine Freude währte nicht lange. Nach 15 Minuten war es mit der Schwartauer Herrlichkeit vorbei, der solide Vorsprung dahin. Als Hannovers Karpstein seinen siebten von zwölf Treffern versenkte, stand es schon 23:23. „Ab da haben wir nur noch Standhandball gespielt, zugesehen wie Hannover uns niedergekämpft hat.“ Angeführt vom Rückraumtandem Eryk Kaluzinski (10 Treffer, sieben nach der Pause) auf links und Claus Karpstein auf rechts (acht Treffer nach der Pause) riss Hannover das Spiel an sich. „Der HSV-Rückraum hat uns kaputt gemacht“, erkannte Friedrichs. Knorr probierte, wechselte, mahnte in der Auszeit. Doch nichts half. „Wir haben die zweite Halbzeit regelrecht weggeschenkt, sind schlimm eingebrochen.“
Durfte der VfL beim 26:27 (52.) noch hoffen, war vier Minuten später beim 27:32 auch das dahin. Daran konnten auch die insgesamt 13 Schult-Tore nichts ändern. „Als es mit der ersten Sieben nicht lief, kam auch nichts von der Bank. Unser zweiter Anzug sitzt nicht“, ärgerte sich Friedrichs und schaute bereits sorgenvoll ins nächste Jahr, das der Qualifikation für die neue, eingleisige 2. Liga: „Wenn wir da so rumdaddeln, wird das nichts.“ Knorr sprach klare Worte in der Kabine: „Man kann verlieren, aber nicht so. Wir haben den Kampf nicht angenommen. Ich muss jetzt sehen, wer es schafft, den Schalter umzulegen.“ Auch mit Blick auf die neue Saison. jek
Quelle: LN
Tore: Schult (13), Tretow (5/1), Dombrowski (4), Podpolinski , Zeschke (je 3), Kasza , Jahn (je 1/1)