HSV-Trainer Martin Schwalb hatte im Vorfeld der Begegnung geäußert, man werde den Vergleich nicht auf die leichte Schulter nehmen und von Beginn an Gas geben. Dann aber staunte er nicht schlecht, wie selbstbewusst und engagiert die VFL-Sieben das Spiel aufnahm.
Insgesamt ging die Knorr-Truppe 8 x in diesem Spiel in Führung. In den ersten Minuten musste der HSV die von den begeistert mitgehenden Zuschauern bejubelten Führungstreffer des VFL erst einmal ausgleichen. Auch in den Folgeminuten konnte der HSV mit jeweils nur mit einem oder zwei Toren die Führung übernehmen oder musste den Ausgleich hinnehmen. Schwalbs Staunen wich mehr und mehr aufkommendem Unwillen. In Minute 25 nahm er beim Stand von 9:8 für den HSV nach einem sehenswerten Hüftwurf von Matze Hinrichsen die Auszeit, um sein Team einzunorden. Als in der 30. Min. der VFL mit 11:10 wieder die Führung übernahmen, wurde er schon bedenklich laut und sah die gelbe Karte der Schiedsrichter. Gerade noch vor dem Pausenpfiff schaffte der HSV durch K. Lijewski den Ausgleich zum 11:11.
Dieses bemerkenswerte Zwischenergebnis hatte sich die VFL-Mannschaft gegen die Millionentruppe des HSV, der so etwas wie eine Europaauswahl auf das Parkett stellen kann, durch bedingungslosen Einsatz verdient.
Die Abwehr war von der ersten Minute an zupackend auf dem Posten. Tobi Mahnke zwischen den Pfosten war glänzend aufgelegt, hielt mehrere freie Würfe gegen Stars wie Ivor Vori und einen Siebenmeter gegen einen der sichersten Schützen der 1. Bundesliga Hans Lindberg. Lediglich gegen die Granaten von Pascal Hens waren Abwehr und Torhüter einige Male machtlos. Im Angriff führte Matze Hinrichsen glänzend Regie, Martin Zeschke konnte nach tollen Anspielen am Kreis treffen, Schult und Podpolinski zogen aus dem Rückraum ab und der freche Dombrowski setzte sich rechtsaußen durch. Leider konnte keiner der 3 gegebenen Siebenmeter gegen den hervorragend haltenden Per Sandström verwandelt werden (Tretow, Hinrichsen, Schult).
Man konnte annehmen, dass Martin Schwalb in der Kabine „eindringliche“ Worte an seine Mannschaft gerichtet hatte, als es zur zweiten Halbzeit weiterging. Aber der VFL spielte beherzt weiter, ging in den ersten Minuten nochmals 3 x in Führung und wandelte zwischen der 36. und 39. Min. den ersten 3-Tore-Rückstand wieder in eine 18:17-Führung um. Herrliche Tore von Zeschke und Schult konnten in dieser Phase bejubelt werden.
Aber dann ging doch etwas die Puste und Konzentration aus, der HSV kam zu einigen leichten Toren und bog auf die Siegerstraße ein. Nach dem 31:24 in Min. 54 fing sich der VFL noch einmal und holte einige Treffer (Hinrichsen mit schönem Dreher und nach geschickter Täuschung, Schult mit Tempogegenstoß, Podpolinski und nochmals Schult mit Kempatrick nach Anspiel von Podpolinski) zum 29:33 auf, um in der Schlussminute doch noch 3 Gegenstoßtore zu kassieren. Die körperliche Stärke und Cleverness der Hamburger Vollprofis machte letztendlich den Unterschied aus.
Somit fiel das Ergebnis deutlicher aus, als der Spielverlauf war. Erst ab der 40. Min. konnte der HSV einen größer werdenden Abstand zwischen sich und die VFL-Akteure legen, weil auf deren Seite die Kräfte nach der vorangegangenen bedingungslosen Anstrengung nachließen.
In der anschließenden Pressekonferenz war Martin Schwalb dann wieder der smarte, höfliche HSV-Trainer, der die Leistung des VFL lobte und auf weitere Erfolge der Kooperation beider Vereine setzte.
Sein Schwartauer Kollege Thomas Knorr meinte, mit solcher Leistung in der Liga hätte der VFL einige Verlustpunkte weniger.
Fazit: Dieses Spiel hat die Mannschaft des VFL mit ihren Verantwortlichen genutzt, um nachhaltige Werbung in eigener Sache zu machen. Das Publikum war noch mehr aus dem Häuschen als in den ebenfalls ausverkauften Spielen gegen Lemgo und Essen. Das lässt für die weiteren Punktspiele hoffen. Alle sind eingeladen, unsere tolle Mannschaft in den kommenden Spielen so nachhaltig zu unterstützen. Dann werden wir noch einige Feste in der Hansehalle erleben. Auch für die Auswärtsspiele dürfte die Mannschaft viel Selbstvertrauen getankt haben. Wer eine so gute Leistung gegen eine absolute Spitzenmannschaft bringt, kann in der 2. Liga manchen auf Distanz halten.
Zum Abschluss danken wir allen Helfern, die zum Erfolg dieses Großereignisses auf vielfältige Weise beigetragen haben.
Tore: Schult 7, Zeschke 6, Hinrichsen, Podpolinski je 5, Dombrowski, Jahn, Tretow je 2