Lübeck – Das war nichts für schwache Nerven: Schwartaus VfL-Handballer lagen gegen Emsdetten schon mit 11:20 zurück, holten Tor um Tor auf – um dann noch mit 35:34 zu gewinnen.
Die Schwartauer hüpften wie kleine Kinder jubelnd im Kreis, die Fans feierten ihre Helden mit stehenden Ovationen und alle waren sich mit Spielertrainer Thomas Knorr einig: „Das war ein Wahnsinnsspiel und allerbeste Werbung für den Handball.“ In der Tat: So ein Punktspiel hat es in der Lübecker Hansehalle lange nicht gegeben: Vor 2012 am Ende restlos begeisterten Zuschauern lagen die Zweitliga-Handballer des VfL Bad Schwartau nach 25 Minuten scheinbar aussichtslos gegen den Tabellenzweiten TV Emsdetten mit 11:20 zurück, drehten die Partie aber und gewannen noch mit 35:34 (17:20).
„Die ersten 20 Minuten haben wir völlig verpennt“, musste Peter Kasza später eingestehen, der den verletzten Toni Podpolinksi sehr gut vertreten hatte. „Ich weiß nicht, was die Jungs sich gedacht hatten“, meinte Knorr zur Anfangsphase: „Es geht eben nur mit vollem Einsatz plus unserer spielerischen Klasse.“
Zunächst wirkte seine Sieben, als sei sie gerade aus dem Bus geklettert. Die Abwehr bewegte sich viel zu langsam und gestattete es den Gästen, fast ohne Gegenwehr von neun Metern zum Kreis durchzustoßen – die Torleute Tobias Mahnke und Markus Noel wurden sträflich im Stich gelassen. Als Matthias Hinrichsen den ersten VfL-Treffer erzielen konnte, lag man schon mit 1:3 zurück (4.). Vor allem der Ex-Schwartauer Elvir Selmanovic machte das Spiel im rechten Rückraum und über die Mitte schnell. Am meisten von den großen Räumen profitierte Emsdettens Top-Torjäger Eelco Weevers auf Rechtsaußen, der vor der Pause schon neun Treffer auf seinem Konto hatte.
Bis zum 11:20 (25.) sah es nach einem Debakel allererster Güte aus. Knorr hatte bereits beim 3:8 (10.) eine Auszeit genommen – ohne Erfolg. Auch, weil Jan „Peitsche“ Schult Ladehemmung hatte. Nach fünf Fahrkarten traf er erstmals nach 18 Minuten – per Gegenstoß.
In dieser Phase hatte Coach Knorr den Spieler Knorr eingewechselt, mit sich selbst für mehr Stabilität in der Abwehr und damit für die Wende gesorgt. Nach dem 11:20 (25.) gelangen sechs Tore in Folge. Beim 17:20 war die Partie wieder offen – und beim 20:21 durch Schult (33.) waren die Gastgeber wieder dran. Doch Emsdetten nutzte zwei Überzahlsituationen zum 25:21 (37.).
Doch nun geht der Wahnsinn erst richtig los: Mahnke vernagelt sein Tor, und sechs Minuten später gelingt Martin Zeschke das 25:26 – die Halle steht wieder kopf. Auch beim 27:31 (51.) ist Schwartau nicht geschlagen: Knorr, Kasza und Tretow gleichen zum 31:31 aus (55.), Hinrichsen gelingt im offenen Schlagabtausch das 32:31 (56.). Schult sorgt schließlich per Doppelpack für das 35:34 und unglaubliche Jubelstürme in der Hansehalle.
Quelle: Ln-online
Tore: Tretow 9/6, Kasza 6, Hinrichsen, Schult je 4, Jahn, Knorr je 3, Dombrowski, Schliedermann, Zeschke je 2.